Die Differentialdiagnosen

Mit Differentialdiagnose bezeichnet man die Unterschiede bei sich überschneidenden Diagnosen, wo verschiedene Erkrankungen gemeinsame oder sehr ähnliche Symptome aufweisen. Die gibt es zur Narkolepsie vor allem bei den folgenden Krankheiten:

  • Schlaf-Apnoe
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Hypersomnien anderer Ursachen
  • Insomnie
  • Epilepsie
  • Depressionen
  • Schizophrenie
  • Hyperkinetische Syndrome

Es ist an dieser Stelle nicht geboten, ausführlich auf die vorgenannten Krankheiten ausführlich einzugehen. Es werden daher vornehmlich nur die Differenzen angeführt. Wer zu den von der Narkolepsie abweichenden Erkrankungen mehr wissen will, findet sicher unter den entsprechenden Stichworten das Gesuchte ausführlicher beschrieben.

Die Schlaf-Apnoe

ist die häufigst vorkommende Krankheit, die mit exzessiver Tagesmüdigkeit einhergeht. Sie kommt nach den bisher veröffentlichten Erkenntnissen mindestens 100-mal häufiger vor als Narkolepsie. Die Tagesschläfrigkeit wird hervorgerufen durch einen gestörten Nachtschlaf. Es kommt in kurzen Abständen zu Atemstillständen, die mehrere Sekunden bis zu Minuten dauern können. Durch die Sauerstoffunterversorgung wird der Kranke kurz wach, ist sich aber nur selten dessen bewusst. Der Schlaf ist infolgedessen nur sehr wenig erholsam, weil er nur sehr flach ist, die Tiefschlafphasen 3 und 4 werden fast nie erreicht.

Die obstruktive Schlaf-Apnoe ist die häufigste Erscheinungsform, bei der die Atemwege verschlossen werden. Ursache können ein großes Zäpfchen, Nasenpolypen oder andere Fehlbildungen sein. Operationen am Zäpfchen haben sich wegen negativer Folgen nicht bewährt, Nasenpolypen können beseitigt werden. Versuche mit der sogenannten Esmarch-Prothese stellten wegen der Dehnung der Kiefermuskulatur keine Dauerlösung dar. Abhilfe schaffte schließlich erst die Atemgegendruckmaske, welche die Atemwege frei hält.

Die Schlaf-Apnoen können aber auch selbstgesteuert ausgelöst werden.

Im Gegensatz zur Narkolepsie handelt es sich um eine Dauermüdigkeit, die nicht periodisch auftritt. Auch fehlen längere nächtliche Wachphasen. Durch Emotionen ausgelöste Muskeltonusverluste gibt es bei der Schlaf-Apnoe nicht.

Bei Narkoleptikern werden hingegen häufiger gleichzeitig Schlaf-Apnoen diagnostiziert, was zum Teil daran liegen kann, dass diese eher zu Übergewicht neigen (Pickwick-Syndrom). Die Diagnose beider Krankheiten ist wichtig, da sie unterschiedlich und beide behandelt werden müssen.

Restless-Legs-Syndrom

das Phänomen der unruhigen Beine ist ebenfalls eine Hypersomnie. Hierbei wird der Nachtschlaf durch starke Beinbewegungen gestört und unterbrochen. Auslöser sind Missempfindungen oder sogar Schmerzen in den unteren Extremitäten. Das Restless-Legs-Syndrom hat idiopathische Ursachen, die manchmal nur schwer medikamentös zu beeinflussen sind.

Sonstige Hypersomnien

Als solche werden in der Katalogisierung aufgeführt idiopathische, rezidivierende und postraumatische Hypersomnien. Diese sind nicht leicht von der monosymptomatischen Narkolepsie abgrenzbar, wenn also (bisher) keine Kataplexien aufgetreten sind. Die Unterscheidung ist nur möglich, wenn genau untersucht wird, ob der Schlafdruck eine Periodizität aufweist oder kontinuierlich ist. Wichtig erscheint auch, ob ein Nachgeben durch kurze Schlafeinlagen tagsüber zum gegebenen Zeitpunkt vorübergehend zur vollen Leistungsfähigkeit führen, wie dies bei Narkolepsie immer beobachtet wurde.

Insomnie

wird gekennzeichnet durch die Unfähigkeit in den Schlaf zu kommen, obwohl der Schlafdruck sehr groß ist. Die Abgrenzung ist leicht, weil der Narkoleptiker in geeigneter Umgebung innerhalb kurzer Zeit einschläft und mehrheitlich mit einer REM-Schlaf-Phase beginnt.

Epilepsie

Ist diagnostisch leicht von der Narkolepsie abgrenzbar. Langdauernde Kataplexien (Status kataplektikus) können aber dann fehlgedeutet werden, wenn der Betroffene verzweifelt versucht herauszukommen und in sehr kurzen Abständen den Muskeltonus wiedererlangt und sofort wieder verliert. Es entsteht dadurch eine Zitterbewegung, die einem Krampfanfall bei Epilepsie ähnlich ist. Spricht man den Befallenen an und kann er sich nachher daran erinnern, so handelte es sich eindeutig um eine Kataplexie, weil der Narkoleptiker das Bewusstsein nicht verliert. Der Epileptiker kann sich hingegen an nichts erinnern, was während seines Anfalls vorgegangen ist.

Depressionen

können das Schlafverhalten auch stark beeinflussen. Die Antriebslosigkeit täuscht oft Müdigkeit vor, die von den Depressiven häufig auch vorgegeben wird. Da auch der Nachtschlaf beeinträchtigt sein kann, werden ohne Schlafableitung viele Narkoleptiker ohne deutliche Kataplexien von den Neurologen zunächst einmal als Depressive eingestuft und behandelt. Unter dem Einfluss von Antidepressiva werden dann die nichterkannten oder fehlgedeuteten Kataplexien unterdrückt. Dem Verfasser ist ein Fall bekannt, wo eine Narkoleptikerin jahrzehntelang als Depressive behandelt wurde, schließlich auch in einer schweren Depression verharrte, weil das Grundleiden (trotz deutlicher Kataplexien) nicht erkannt wurde.

Leider entwickeln (zu) viele Narkoleptiker unter den vielfältigen psychosozialen Belastungen auch depressive Symptome. Deshalb ist die Belehrung des Umfeldes zum richtigen Umgang mit Narkoleptikern so wichtig. Hierfür müssten uns von den Gesundheitskassen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Vorbeugen ist besser und billiger als heilen.

Schizophrenie

hat im Bezug auf die Narkolepsie eine geringfügige „Überschneidung“. Bei einigen Narkoleptikern belasten besonders die hypnagogen Halluzinationen. Werden sie als einziges Symptom in der Anamnese vorgetragen, so könnte der Beurteilende diese auch als psychotische Schübe eines Schizophrenen einstufen. Da diese Realitätsverluste bei Narkolepsie nur kurz dauern und die anderen Symptome der Narkolepsie kaum zu übersehen sind, kommt es auch ohne Schlafableitung nicht zu Fehlurteilen.

Hyperkinetische Syndrome

Da in den letzten Jahren sehr häufig Narkolepsie auch bei Kindern diagnostiziert werden muss, das hyperkinetische Syndrom auch durch Methylphenidat als Medikament positiv behandelt werden kann, drängt sich ein Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen auf. In der Vergangenheit wurde die zutreffende Diagnose Narkolepsie bei Kindern aber nur selten zu Beginn der Schlafanfälle gestellt, weil Kataplexien nur selten sofort auftraten oder nicht erkannt wurden.

Auffällig ist aber, dass etwa 13% der später als Narkoleptiker diagnostizierten Narkoleptiker in der Kindheit wegen eines hyperkinetischen Syndroms behandelt wurden. Kämpfen „hyperkinetische“ Kinder mit körperlichen und anderen Auffälligkeiten gegen Müdigkeitsattacken an und sind deshalb nicht in der Lage, sich über längere Zeit in der gebotenen Weise zu konzentrieren? Es ist ja bekannt, dass die weitaus überwiegende Mehrzahl der Betroffenen Kataplexien erst Jahre später als die deutlichen Schlafattacken entwickeln.

Es wäre wünschenswert, dass sich mehr Eltern mit hyperkinetischen Kindern bereit erklären würden, diese auch im Schlaflabor untersuchen zu lassen.

Auch sollten für Lehrer im Rahmen der theoretischen Ausbildung eine Vorlesung über Narkolepsie geboten werden. Kinder, die im Unterricht einschlafen, werden leider von den Mitschülern aber auch von den Lehrern gemobbt. „Du gehst zu spät zu Bett“ oder „Hast wohl gestern wieder zu lange ferngesehen?“ (an Deinem Computer gespielt?)