Sexualität

Das Verhältnis von Narkolepsie und Sexualität war viele Jahre kein Thema in unserer Selbsthilfeorganisation. Die Neurologen winkten ab. Erst als auch Psychologen verstärkt bei uns mitarbeiteten, tastete man sich vorsichtig an diese Fragen heran.

Eine betroffene Krankenschwester, die ich zu meiner Zeit als Vorsitzender darauf ansprach, antwortete nur lachend: „Es ist bedauerlich, wenn man gerade im schönsten Augenblick den Kontakt verliert!“ Damit war auch für sie alles gesagt.

Eigentlich ist es auch schwer sich vorzustellen, was Schlaf zur unrechten Zeit und Sexualität miteinander zu tun haben sollten. Der Kurzkommentar der Krankenschwester stellt tatsächlich auch das einzige Bindungsglied dar. Der Orgasmus ist nicht nur eine körperliche Reaktion, er ist auch eine der stärksten Emotionen. Er löst daher in vielen Fällen einen Muskeltonusverlust aus, der die von ihr beschriebene, frustrierende Folge bewirken kann. Der kann man weitgehend nur entgehen, wenn das Paar rechtzeitig zuvor eine Körperstellung einnimmt, die den Verlust des Kontaktes der Geschlechtsteile vermeiden kann. Wie dieser auszusehen hat, überlasse ich der Findigkeit der Beteiligten.

Viel schwerer aber wiegt der Einfluss der verordneten Medikamente. Hiervon sind sowohl Frauen als auch Männer betroffen.

Bekannt ist, dass Antidepressiva stark dämpfend auf das sexuelle Verlangen wirken. Sie schränken auch die Erektionsfähigkeit ein. Hierbei kann es gleichgültig sein, ob dies ein direkter Einfluss ist oder ob dies im Zusammenhang mit der verminderten Libido steht. Auch die verordneten Weckamine sollen das sexuelle Verlangen und die Erektion herabsetzen. Es wird aber berichtet, dass diese Wirkung nach dem Absetzen dieser Medikamente innerhalb weniger Tage nachlässt. Ob ein derart schnelles Nachlassen der dämpfenden Wirkung beim Absetzen der Antidepressiva festgestellt werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die gegen die Kataplexien eingesetzte Natrium-Gamma-Hydroxibuttersäure (Xyrem®) hat hingegen keine negative Wirkung auf die sexuelle Lust und die Erektionsfähigkeit. Auch bei Piracetam (Nootrop®) wird nicht negativ berichtet. Als gelegentliche Nebenwirkung wird sogar Libidosteigerung angegeben. Man könnte daher sogar anregen, mit dem Hausarzt die Frage zu erörtern, ob es möglich ist, wenigstens zeitweise das Weckamin (Methylphenidat oder Modafinil) durch Piracetam auszutauschen.

Da es immer noch den meisten Personen schwer fällt, sich in einer größeren Gruppe über ihr Sexualverhalten zu äußern, bietet dieses Forum vielleicht die Möglichkeit des anonymen Erfahrungsaustauschs zum Wohle aller Betroffenen.