Auf dem Abstellgleis

Seitdem ich 45 Jahre alt war, überfiel mich öfter eine Müdigkeit: Ich musste während der Dienstzeit eine Toilette aufsuchen, um nicht schlafend am Schreibtisch zu sitzen. Ich schlief sogar im Geschäft an der Kasse ein, man stahl mir die Geldbörse und ich merkte es nicht. Im Zug bin ich eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als ich schon auf dem Abstellgleis stand. Ich schlief auf dem Mofa ein und lag dann mit einer Gehirnerschütterung im Straßengraben. Auch beim Kaffeeaufschütten bin ich schon eingeschlafen und wurde wach, als mir das kochende Wasser über die Beine lief. Als ich Grünzeug für den Kompostierer klein schnitt, wurde ich erst wach, als mir das Blut von der Hand tropfte.

Ich dachte, ich wäre überarbeitet. Als ich jedoch öfter fiel, ohne umzuknicken oder zu stolpern, ging ich zum Arzt. Im Klinikum Aachen wurde Narkolepsie festgestellt. Man verschrieb mit Madopar® 125 (viermal täglich). Es wurde nicht besser.

Ich fiel schon dreimal auf einem Weg von 20 Gehminuten. Mich im Arm zu halten, nützt nicht, wenn ich falle. Wenn ich einen Schirm oder eine Tasche in der Hand halte, fliegt der Schirm weg und die Tasche fällt hin. Ich falle immer auf das rechte Knie.

Seitdem ich Rentnerin bin, fliege ich von November bis Mitte März in den Norden von Teneriffa. Die Tabletten habe ich langsam abgesetzt, jedes Jahr eine weniger. Es geht mir besser.

Wenn ich schläfrig werde, lege ich mich hin (ca. dreimal pro Tag). Ich bin viel am Meer, an der frischen Luft. Letzten Winter bin ich in drei Monaten nur viermal gefallen.

Morgens nehme ich ein kleines Frühstück (eine halbe Scheibe Brot). Wenn ich keine volle Mahlzeit am Tage mache, geht es mir den Tag über besser. Nachts kann ich drei bis dreieinhalb Stunden nicht Stunden nicht schlafen.
H. Sch.