Rauchen oder Nichtrauchen?
Wer an den Jahresfortbildungstagungen der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft teilnimmt, stellt schnell fest, dass mehr als die Hälfte der Anwesenden zu den Rauchern gehört. Während der Vorträge wird zwar aus Rücksicht auf die Nichtraucher nicht gequalmt, doch länger als eine halbe Stunde stehen die meisten Zuhörer diesen Entzug nicht durch. Dann wird der Wunsch auf eine Pau-se geäußert und die Raucher versammeln sich draußen oder in den anliegenden Fluren. Nichtraucher sind überwiegend die mitteilnehmenden Familienangehörigen.
Warum aber sind so viele Betroffene Raucher? Das Nikotin löst einen Hormonstoß aus, sei es Adrenalin oder Dopamin. Hierbei ist für den (die) Narkoleptiker(-in) weniger das Wohlgefühl wie bei anderen Rauchern der Antrieb. Es ist die gewünschte Anregung, mit der er (sie) versucht, die Müdigkeit zu überwinden. Leider reichen nämlich die ärztlich verordneten Weckamine nur selten aus, die Schlafanfälle völlig zu kupieren. Hier hilft dann für viele vorübergehend die Zigarette.
Die große Zahl der Raucher unter den Erkrankten erklärt sich auch daraus, dass die Erkrankung oft erst jahrelang nach den ersten Symptomen erkannt wird. Inzwischen haben die Narkoleptiker aus gelegentlichem Rauchgenuss erfahren, dass sie damit Müdigkeitsattacken wesentlich mildern können, wenn sie sich eine Zigarette anzünden und diese auf Lunge rauchen. Das ermöglicht es ihnen, an gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen, bei denen ihnen das Rauchen gestattet wird.
Nun werden durch die neue Gesetzgebung die sozialen Kontakte der Narkoleptiker, die zu Rau-chern geworden sind, zusätzlich eingeschränkt.
Was könnte helfen? Der Asthmatiker hat im Bedarfsfall seinen Inhalationsspray. Die Pharmain-dustrie sollte sich Gedanken darüber machen, ob sie nicht auch einen solchen Dosierinhalator mit einem gelösten Amphetamin(-derivat) entwickelt, mit dem eine Schlafattacke kupiert werden kann!
Ich bin mir jedoch heute schon fast sicher, dass unsere Gesundheitsbehörden eine solche Entwick-lung verhindern werden, weil dieses Hilfsmittel missbraucht werden könnte. Bekanntlich zählt für unsere Politiker eine kleine Zahl von Betroffenen nicht, wenn mit ihnen keine Gewinne erzielt wer-den können. Wir haben dies in der Vergangenheit mehrfach erfahren müssen, als gut wirksame Me-dikamente vom Markt genommen wurden.