Autofahren – ja oder nein?
Fast jeder Narkoleptiker bekommt spätestens nach der Diagnosestellung von seinem Arzt die Frage nach dem Führerschein gestellt. „Fahren Sie Auto?“ Wird diese Frage bejaht, so folgt fast immer der Hinweis: „Sie sind besonders gefährdet, gefährden möglicherweise andere und sollten eigentlich auf das Autofahren verzichten!“
Zweifelsfrei ist es richtig, wenn der Arzt diese Warnung ausspricht. Er handelt insoweit, wie sich ein Jurist ausdrücken würde, pflichtgemäß. Gleichwohl ist es erstaunlich, wie viele Betroffene trotz dieser Ermahnung ihren Führerschein behalten haben und auch weiterhin ihr Kraftfahrzeug benutzen. Erstaunlich ist auch, dass mehr Teilnehmer zu den Tagungen mit dem Auto anreisen als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Statistische Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass Narkoleptiker nach ihrer Diagnosestellung nicht häufiger in Unfälle verwickelt wurden als der Durchschnitt der Bevölkerung. Offensichtlich stellen sich die Betroffenen um, wenn sie näheres über den Charakter ihrer Behinderung erfahren haben. Sie passen ihr Fahrverhalten in der weitaus größten Mehrzahl an. Kleinere Ermittlungen in Deutschland haben zu keinen abweichenden Erkenntnissen geführt.
So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn bei Selbsthilfetreffen auf örtlicher Ebene dieses Thema im Vordergrund steht und der Erfahrungsaustausch zum Fahrverhalten und der Streckeneinteilung sehr intensiv ist. Wichtig ist dabei sowohl die Selbstbeobachtung im Bezug auf die Periodizität der Schlafattacken und den gezielten Medikamenteneinsatz.
Da die Symptome bei den einzelnen Betroffenen sich sehr unterschiedlich darstellen, ist es nicht verwunderlich, dass auch die entwickelten Strategien sehr differenziert sind. Vor allem die älteren Mitglieder haben schon wirksame Verhaltensmuster entwickelt, die jedoch erheblich voneinander abweichen, weil sie in der Regel jahrzehntelang auf eine Diagnose warten mussten und für die anfangs unerwarteten Schlafattacken keine Erklärung hatten.
Sie werden dafür Verständnis haben, dass wir an dieser Stelle keine Allgemeinempfehlung aussprechen können. Jeder Betroffene soll für sich selbst entscheiden, was er sich und damit auch anderen zumuten kann und darf. Wir sind allerdings gerne bereit, an dieser Stelle Erfahrungsberichte und Strategiebewältigungen einzelner zu veröffentlichen. Doch eines gilt nicht für alle!
Für alle aber gilt: Verantwortungsbewusstsein ist Voraussetzung! Ein Hallodri hat am Steuer nichts zu suchen, ob er Narkoleptiker ist oder nicht.